Projekte 2002-2004

   
Baugeschichte
Die Pfarrkirche in Erzingen wurde im Jahre 1587 erbaut. Nach einem Umbau der alten Kirche um 1876 wurde das historische Kirchenschiff 1964/65 durch einen neuen, hallenartigen Kirchenbau ersetzt, welcher an den alten, noch bestehenden spätmittelalterlichen Kirchturm angeschlossen ist. Der gotische Kirchturm, (Spitzbogenfenster mit Maßwerken, zweischaliges Feld- und Bruchsteinmauerwerk, massive Eckquaderungen), ist bis heute – bereits von weitem sichtbar - ein Wahrzeichen des Ortes.

Bauaufgabe
Der Kirchturm befand sich in einem unansehnlichen Zustand. Die letzte Renovation lag bereits mehrere Jahrzehnte zurück. Die Fassade hatte Risse und war sehr heruntergekommen. Der stählerne Glockenstuhl war unsachgemäß im Turm eingebaut und übertrug beim Läuten die Bewegungen in das Turmmauerwerk. Um diesen Bewegungen entgegenzuwirken sollte der Stahlglockenstuhl durch einen Holzglockenstuhl ersetzt werden. Die Aufgänge im Turm und die Elektroleitungen entsprachen nicht mehr dem aktuellen Standard und mussten heutigen Anforderungen angepasst werden. Aufgrund dieser Umstände war eine komplette Turmsanierung - außen wie innen – notwendig.


Durchführung
Während der Arbeiten der Außensanierung musste festgestellt werden, dass sich das Mauerwerk in einem viel schlechteren Zustand befand als ursprünglich angenommen. Es zeigten sich so wesentliche statische Schäden am Mauerwerk, dass die Standsicherheit des Turmes gefährdet war.

Das Bruchsteinmauerwerk war teilweise lose, zerbröselte und fiel an mehreren Stellen aus, so dass tiefe Hohlstellen in den Turmwänden entstanden. Der dort vermauerte Kalkstein war frostempfindlich und zeigte gelblich gefärbte Gipseinschlüsse. Die ebenso verwendeten Gipssteine belasteten das Mauerwerk zusätzlich. Denn durch eingedrungenes Wasser waren kristalline Ausblühungen entstanden, deren Sprengdruck zu dem oben geschilderten Schadensbild im gesamten Mauerwerk geführt hatte.

Diese Erkenntnisse erforderten einen erheblich größeren Aufwand bei der Durchführung der Sanierung. So musste die Instandsetzung des Mauerwerks in kleinen Abschnitten erfolgen; nach Entfernen des losen und mürben Steinmaterials mussten die entstandenen Löcher umgehend mit frostunempfindlichen Mauerziegeln wieder verschlossen werden. Ankernadeln wurden in das Mauerwerk eingebaut, um einen Verbund zwischen beiden Mauerschalen herzustellen. Defekte Natursteinelemente der Eckquaderungen wurden saniert und zum Teil erneuert. So wurde Schritt für Schritt wieder ein intaktes und statisch funktionierendes Wandgefüge hergestellt.

Der komplexe und ungewöhnlich schwierige Bauablauf erforderte seitens aller Beteiligten - vom Bauherrn bis zum Handwerker - große Flexibilität. Die Arbeiten am Turm wurden im Frühjahr 2003 begonnen und Ende 2004 mit dem Einbau des neuen Holzglockenstuhles abgeschlossen.
Vorzustand des Kirchturmes

 

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