Projekte 2002-2004

Baugeschichte
Die auf einer Anhöhe stehende Möhringer Pfarrkirche grenzt im Norden an die ehemalige Stadtmauer und wurde bereits im 13.Jhd. erwähnt. Der älteste Teil der Kirche ist die im Norden befindliche Seitenkapelle, auch "Chörle" genannt, sie stammt aus dem Jahre 1483. Vom Möhringer Baumeister Anton Bär wurde die Pfarrkirche 1597 auf den Grundmauern der Vorgängerkirche im spätgotischen Stil erbaut. Der Kirchenraum erfuhr mehrmals bauliche Veränderungen und wurde im 18.Jhd. zum Teil barockisiert. Der Kirchturm wurde 1859 an der Stelle errichtet, an der bereits 1721 zuvor ein Zwiebelturm stand. Im Zeitraum 1899/1900 wurde das Kirchenschiff mit dem Bau der Orgelempore nach Westen hin erweitert und auf der Südseite die Sakristei mit Zugang zum Turm angebaut. Der Kirchenraum verfügt über eine sehr wertvolle Ausstattung. In den Jahren 1971/1973 fand bereits eine Kirchenrenovation statt, eine umfangreiche Dachsanierung erfolgte in den Jahren 1998/1999.

Bauaufgabe
Der Kirchenraum war stark verschmutzt und bedurfte einer Neufassung. Ferner waren die Erneuerung der Kirchenheizung, ein neues Gestühl und eine Chorraumgestaltung mit neuer liturgischer Einrichtung vorgesehen. Da die Pfarrkirche in Möhringen ein wertvolles Kulturdenkmal ist, war eine enge Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt erforderlich.
Zunächst wurde ein Farbkonzept erstellt, um den Kirchenraum mit seinen barocken Stuckprofilen und reichhaltigen Ausstattungsteilen, vor allem mit dem sehr dominanten neogotischen Hochaltar im Chorraum in Einklang zu bringen. Bei den Arbeiten an der Raumschale, der Ausstattung (Hochaltar, Seitenaltäre, Flügelaltar, Auferstehungsbild etc.), den Steinbildwerken (Epitaphen, Taufbecken), den Plattenböden, sowie der Orgel sollte der Schwerpunkt auf Konservierung und Sicherung und nicht auf Restaurierung gesetzt werden.

Innenrenovation
Die Arbeiten wurden 2002/2003 durchgeführt. Die Raumschale im Kirchenschiff und im "Chörle" wurde monochrom in einem gebrochenen Weiß und hellem Grau gefasst. Diese zurückhaltende Farbfassung wurde gewählt, um den Stuckprofilen der Decken eine plastische Wirkung zu verleihen und um die hochwertigen Ausstattungsteile besser zur Geltung kommen zu lassen. Im Chorraum allerdings wurde die Decke entsprechend dem historischen Befund kobaldblau überfasst und in detailgetreuer Handarbeit des Restaurators mit einem filigranen Rankenwerk aus Blattgold versehen. Die bewegliche Ausstattung wurde restauriert, der neogotische Hochaltar, der in den 50er Jahren eine recht nachlässige Farbfassung erhalten hatte, wurde im Frontbereich mit der historischen farbigen Fassung mit Teilvergoldung versehen. Das Kirchengestühl und das Chorraumgestühl erhielt eine zeitgenössische Form und wurde in der Farbgebung der historischen Ausstattung angepaßt. Nach Einbau der neuen Kirchenheizung erfolgten Ergänzungsarbeiten am historischen Plattenboden im Kirchenschiff und Chor, sowie eine Neuverlegung von Natursteinplatten aus Muschelkalk im "Chörle" und das Setzen von Natursteinstufen zum Chorraum hin.

Neue liturgische Einrichtung
Lange Zeit hatte man sich mit einem sehr einfachen Altartisch, eigentlich ein Provisorium, begnügt. Zum Abschluss der Renovation des Innenraumes sollten ein Zelebrationsaltar, ein Ambo, ein Osterleuchter sowie Sitze für Priester und Ministranten (Sedilien) als neue liturgische Mitte gestaltet werden. Es sollte eine zeitgemäße Formensprache sein, die trotz des in Größe, Gestaltung und Farbe dominierenden Hochaltares die Aufmerksamkeit der versammelten Gemeinde von selbst auf sich zieht. Denn der Altar ist gleichsam Mittelpunkt des gottesdienstlichen Raumes, auch wenn er nicht in der geometrischen Mitte des Raumes steht.
Der neue Altar hat die einfache geometrische Grundform des Würfels. Das Entwurfskonzept beruht auf dem Prinzip aufgestapelter Kanthölzer, das sich konsequent an allen neuen liturgischen Ausstattungsgegenständen wie Altar, Ambo und Osterleuchter ablesen lässt. Die Masse des hölzernen Würfels wird gegliedert durch eine filigrane Textur der Oberfläche, welche durch die geometrische Fügung der Kanthölzer entsteht. Dieses filigrane Muster ist ein subtiler Bezug auf die filigrane Gestaltung des Hochaltares und des goldenen Rankenwerkes am Gewölbe.

Der Baustoff Holz hat für die Gemeinde einen ganz konkreten ortsgeschichtlichen Bezug. Im alten Land Baden war Möhringen die drittgrößte Waldgemeinde. Auch der zweite Baustoff ist nicht zufällig gewählt. Die Altarplatte (Mensa), die Buchablage des Ambos und die Kerzenschale des Osterleuchters wurden aus Muschelkalk gefertigt. Aus dem gleichen Material bestehen bereits die Bodenplatten und die Chorstufen. Die Kanthölzer aus Esche wurden hellgrau lasiert, um mit dem grauen Naturstein zu harmonieren.
Der "Holzstapel" kann als Symbol für die Gemeinschaft der Gläubigen gesehen werden. Viele Einzelne bilden zusammen ein Ganzes, die Kirchengemeinde.
 
 
Gewölbebeginn des Chorraumes
Altar

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