Projekte 2001-2002

   
Baubeschreibung und Geschichte
Die Kath. Pfarrkirche St. Leodegar wurde 1738 - 1742 nach dem Vorbild der kurz zuvor abgebrannten Vorgängerkirche erbaut. Das barocke Kirchenschiff mit eingezogenem, gerade geschlossenem Chor weist ein abgeflachtes Stuckgewölbe mit Stichkappen auf. An den Wänden werden die Fensteröffnungen, sowie der Chorbogen bis auf die Kämpferhöhe von einem Stuckprofil gerahmt. Die Wandflächen über den Fenstern und dem Chorbogen tragen zusätzliche Stuckdekorationen. Im Kirchenschiff weisen die Flächen unter den Fensteröffnungen ein einfaches Bandelwerkdekor auf.

Mit den vorangegangenen Restaurierungen um 1935 haben massive Eingriffe in den Bestand stattgefunden, die zu einer weitgehenden Zerstörung der historischen Oberfläche der Raumschale geführt hatten.

Langhaus und Chorraum waren durch zwei Stufen und Chorschranke unter dem Chorbogen voneinander getrennt. Der Chorraum wird durch den barocken, marmorierten Hochaltar und durch das beidseitig angeordnete Chorgestühl geprägt. Der farbig gefasste, hölzerne Zelebrationsaltar in barocker Gestaltung stand zwischen der Chorschranke und den Stufen zum Hochaltar.

Aufgabenstellung
Der Kircheninnenraum war stark verschmutzt und zeigte im Deckenbereich partielle Verfärbungen auf, die infolge von Dachundichtigkeiten entstanden waren. Zwischen Decke und Chorbogenwand zeigte sich ein stärkerer Abriss. Die Baumaßnahmen umfassten eine komplette Innenrenovation mit einer Dachstuhlsanierung und einer Neugestaltung der liturgischen Ausstattung. Decken und Wände von Chor und Kirchenschiff einschliesslich aller Architekturgliederungen waren zu konservieren und zu restaurieren. Die Kirchengemeinde wünschte sowohl neue, gemeindenähere Standorte als auch eine zeitgemäße Gestaltung von Altar, Ambo und Sedilien.

Die liturgische Neugestaltung

Die erste Stufe unter dem Chorbogen wurde um etwa 2,70 m in das Kirchenschiff vorverlegt. Auf dieser Ebene, zwischen dem niedrigeren Niveau des Schiffes und dem höheren Niveau des Chores, steht nun der quadratische Zelebrationsaltar, umrahmt von den barocken Seitenaltären und den marmorierten Beichtstühlen in den Seitenwänden des Langhauses.

Aus dem Künstlerwettbewerb für die neuen Prinzipalien ging die Arbeit von Oskar Hafen einstimmig als Sieger hervor. Es handelt sich um einen geometrisch strengen und klaren Entwurf, der durch die Materialwahl Plexiglas und Messing sichtbaren Bezug nimmt auf die barocke Ausstattung mit ihrem Gold und den Lichtreflexen. Zugleich ist es eine Formensprache, die sich in keinster Weise der barocken Formensprache anbiedert. Durch die je nach Standort des Betrachters unterschiedliche Transparenz und optische Leichtigkeit beeinträchtigt der neue Altar nicht den prächtigen Hochaltar.

An Stelle von Kerzen auf dem Altar gibt es zwei tischhohe, schlanke Kerzenhalter, die zu Beginn des Gottesdienstes von den Ministranten links und rechts des Altares in dafür vorgesehene Hülsen im Fußboden eingesteckt werden.

Durch Standort und Gestaltung der neuen Prinzipalien wurde ein neues liturgisches Zentrum in der Pfarrkirche St. Leodegar in Riedern am Wald geschaffen, das den historischen Kirchenraum respektiert und gleichzeitig gestalterisches Selbstbewusstsein zeigt.
 
 

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