Projekte 2002-2004

   
Baubeschreibung und Geschichte
Die Pfarrkirche St. Gallus, inmitten des Dorfes Wilflingen gelegen, wurde um 1786 erbaut. Querhaus und Chor stammen aus dem Jahre 1867. 1957 wurde die Kirche erweitert und dem Zeitgeschmack entsprechend im Innern gravierend umgestaltet.

Neben dem Chorwandrelief des Künstlers Oskar Steidle prägen die farbigen Kirchenschiffenster des Glasmalers Albert Birkle den Kirchenraum. Die Fenster wurden 1959 geschaffen und stellen einzelne Glaubensthemen, ausgehend vom "Vater der Himmel und Erde erschuf" bis zur "Auferstehung von den Toten" und dem "Ewigen Leben", in neun Motiven künstlerisch dar. Bezeichnet als "Wilflinger Credo" sind die Fenster sicherlich der künstlerische Höhepunkt der Kirche, jedoch aber auch, aufgrund ihrer Farbigkeit, verantwortlich für eine eher düstere Lichtstimmung im Kircheninneren.

Ausgangspunkt der Innenrenovation war das Anliegen der Kirchengemeinde, die verschmutzte Raumschale der Pfarrkirche zu reinigen, bzw. neu zu streichen. Sehr schnell wurde in gemeinsamen Gesprächen vor Ort deutlich, dass ein Neuanstrich der Raumschale alleine nicht ausreichen würde um den eher schmucklosen Raum mit den verschiedenen Elementen unterschiedlicher Bauzeit in einen stimmigen, festlichen Kirchenraum zu verwandeln.

Bei der weiteren Bearbeitung kristallisierten sich im Wesentlichen drei Problemstellungen heraus. Zum einen war die liturgische Situation, welche durch die Kirchenerweiterung in den Sechzigerjahren entstand, nicht zufriedenstellend, da der Ambo sehr weit rechts aussen anstelle des rechten Seitenaltars platziert war. Zum anderen fanden die hochwertigen, jedoch sehr farbigen und kleinteiligen Fenster des Künstlers Albert Birkle im relativ einfachen, eher undifferenzierten Raum keine Entsprechung und standen isoliert in den Aussenwänden. Darüberhinaus wird der gesamte Raum durch eine ungegliederte, leicht gewölbte Deckenfläche überspannt, die in keinem masstäblichen Verhältnis zu den anderen raumumschliessenden Flächen stand und als äusserst drückend empfunden wurde.

Aus genannten Gründen entwickelte sich folgerichtig die Notwendigkeit für ein stimmiges, alle Bau- und Ausstattungsteile einbindendes Gesamtkonzept, welches sowohl die liturgischen Orte miteinbezieht, als auch ein künstlerisches Konzept für die raumumschliessenden Flächen, im Besonderen die Deckenfläche, beinhaltet. Um diese Aufgabe qualifiziert anzugehen, bat das Erzbischöfliche Bauamt Konstanz, im Einverständnis mit der Kirchengemeinde, den Künstler
Diether F. Domes
bei der Erstellung eines inhaltlich tragfähigen Gesamtkonzeptes mitzuwirken. Da umfangreiche elektrotechnische Modernisierungen anstanden und man die Möglichkeit sah, durch eine akzentuierte Ausleuchtung des Raumes die Atmosphäre der Kirche deutlich zu verbessern, wurde der Licht- und Elektroplaner Herr Ruther gebeten im Planungsteam mitzuarbeiten.

Die Veränderungen im Bereich des Chorraumes betreffend die liturgische Ausstattung resultieren im Wesentlichen aus der Verlegung des Ambos, welcher bislang die Stelle des rechten Seitenaltars einnahm. An dieser Stelle würde der Taufstein plaziert und der Ambo soll zukünftig links vor dem Zelebrationsaltar situiert sein. Eine Verschiebung der Tabernakelstele aus der Mitte nach rechts, mit Rückbau des Stufenpodestes, brächte diese in eine Diagonale mit Ambo und Altar. Der steinerne, linke Marienaltar und die aus dem gleichen Stein bestehenden Sedilien sollten durch leichte, hölzerne Konstruktionen ersetzt werden. Das gewichtige Material Stein wäre auf diese Weise Altar, Ambo und Tabernakelstele vorbehalten. Ziel der Veränderungen im Chorraum sollte sein, die stark achsial geprägte Raumkonzeption, welche sich an eine vorkonziliare Raumordnung (Seitenaltäre/ Hauptaltar) anlehnt und wesentlich auf das Chorwandrelief konzentriert ist, zugunsten einer mehr mit dem Kirchenraum korrespondierenden Gestaltung zu verändern.

Letztlich wollte die Pfarrgemeinde diese zunächst favorisierte Lösung nicht realisieren. Nun bleibt die Tabernakelstele in ihrer zentralen Position unter dem Chorrelief bestehen. Ebenso werden der Marienaltar und die massiven Sedilien beibehalten, was eine Ergänzung der liturgischen Ausstattung im bereits vorhandenen römischen Travertin auf der Grundlage der vorkonziliaren Ordnung zur Folge hatte.

Das künstlerische Gesamtkonzept zur Innenrenovation sieht vor, die stark farbigen Fenster besser durch den farbigen, historischen Kreuzweg (ca. 1850), welcher in den Sechzigerjahren durch einen geschnitzten Kreuzweg ersetzt wurde und seitdem im Kirchendach lagerte, im Raum zu verankern. Nach eingehender Diskussion und Prüfung der handgemalten Ölbilder durch einen Restaurator, entschloss sich die Kirchengemeinde, den wesentlich wertvolleren, ca. 150 Jahre alten, historischen Kreuzweg anstatt des jüngeren, geschnitzten Kreuzwegs wieder in der Kirche zu plazieren. Die 14 Kreuzwegstationen werden achsial unter den Fenstern angebracht, die 12 Apostelleuchter zwischen den Kreuzwegtafeln angeordnet. Ein weiterer, wesentlicher Teil des Konzeptes ist die Neugestaltung des Deckenspiegels mittels einer farbfreien Grafik, welche die leere Deckenfläche maßstäblich aufteilt und sowohl auf die durch Fenster gegliederten Innenwände, als auch auf Chorraum und Orgelprospekt Bezug nimmt. Wie Stuckapplikationen in barocken oder klassizistischen Räumen gliedert die Deckengrafik die bislang unmasstäbliche und drückende Deckenfläche in einer der heutigen Zeit entsprechenden Formensprache und reagiert auf räumliche Elemente, wie den Chorraum, die Fenster, den Orgelprospekt, den Taufstein, etc.. Die Grafik lässt die Mitte frei und öffnet sich hin zum Chorraum. Die leicht abgetönte Deckenfläche ist in den grafischen Feldern des Mittelbereichs reinweiss hinterlegt und weitet so den "Kirchenhimmel" nach oben auf.
 

 

Verkleinerte Entwurfsplanung mit
Innenwandabwicklung und
Deckenspiegel

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