Projekte 2001-2002

   
grundriss

Baubeschreibung und Geschichte
Die ehemalige Kloster- und jetzige Wallfahrtskirche
St. Genesius in Schienen ist neben der Pfarrkirche St. Georg in Reichenau-Oberzell der älteste erhaltene Sakralbau der Region. Sie wurde im 9. oder 10. Jahrhundert im romanischen Stil als querschifflose dreischiffige Pfeilerbasilika erbaut. Das flachgedeckte Gebäude mit stattlichen Ausmaßen besitzt keinen Turm.
Der flachschließende Altarraum ist erhöht und um Mauerstärke schmaler als das Mittelschiff, das schmal und hoch proportioniert ist. Kräftige quadratische Pfeiler stehen im Übergang zu den Seitenschiffen. An deren Ostenden sind, wie auch im Chor, flache und bogige Altarnischen erkennbar. Um das Jahr 1560 wurden die wenigen Maßwerkfenster und das Gratgewölbe über dem südlichen Seitenaltar eingebaut sowie der achteckige Dachreiter auf quadratischem Unterbau erstellt. Eine Barockisierung erfuhr das Gebäude zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch den Einbau der Rundfenster.
Heute wird das Erscheinungsbild durch die Restaurierung von 1959 geprägt, welche die Steinsichtigkeit der Pfeiler und Bögen wieder herstellte. Der Innenraum präsentiert sich ohne architektonischen Schmuck, fast alle Zutaten der letzten Jahrhunderte sind entfernt.

Aufgabenstellung

Die jüngsten Baumaßnahmen unter Planung und Bauleitung des Erzbischöflichen Bauamts Konstanz umfassten neben konstruktiven Maßnahmen und Erneuerung der technischen Ausstattung die Behandlung der Raumschale. Den gestalterischen Schwerpunkt bildete die Neugestaltung des Altarraumes. Mit dem Verlagern des Altarsstandortes in das Langhaus hinein sollte nun auf die Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils eingegangen werden. Die Anschaffung einer neuen liturgischen Ausstattung sollte schließlich das seit den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts bestehende Provisorium beenden.

Gestaltungskonzept

Das Erzbischöfliche Bauamt Konstanz erarbeitete in enger Abstimmung mit der Pfarrgemeinde anhand eines Innenraummodells den Entwurf einer vor den Chor gezogenen Altarzunge mitsamt der Positionierung der Prinzipalstücke. Die Altarzunge wurde zunächst als Holzmodell hergestellt und überzeugte in der Erprobungsphase sowohl in der Raumwirkung wie im liturgischen Gebrauch. Die Ausführung erfolgte schließlich in grau-grünem Rorschacher Sandstein, dem im Gebäude dominierenden Naturwerkstein.
Michael Münzers Entwurf der neuen liturgischen Einrichtung entspricht mit seiner Formensprache und Materialwahl der archaischen Schlichtheit des Raumes, unterstützt seine Ruhe und Kraft. Mit der Formgebung des Altars lehnt sich Michael Münzer an den heute auf der Reichenau aufbewahrten Schrein des heiligen Genesius an. Der Ambo wirkt als statisches Moment im Dialog mit dem Altar und den ortsveränderlichen Objekten Osterleuchter und Sedilien. Die ausgewählten Materialien, Rorschacher Sandstein und patinierter Stahl, unterstützen die gewünschte Schlichtheit.

 

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