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Benzingen

Pfarrkirche
St. Peter und Paul

Chorraumgestaltung nach erfolgter Innenrenovation

2006-2007

Bauherr:

Kath. Kirchengemeinde St. Peter und Paul in Winterlingen-Benzingen

Planung und Projektsteuerung: Erzbischöfliches Bauamt Konstanz
Bauleitung (Innenrenovation): Architekturbüro Gaiser, Benzingen
Künstlerische Gestaltung: Joachim Maria Hoppe
Staatl. Denkmalpflege (Innenrenovation) Herr Dr. Brand, Tübingen

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Baugeschichte

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Benzingen wurde in den Jahren 2003–2004 innen vollständig renoviert. Im Rahmen dieser Maßnahme erfolgten die Sanierung des Dachtragwerks, die Modernisierung der Elektroinstallation/ Beleuchtung und Heizungstechnik sowie die Renovation der frühbarocken Raumschale, einschl. ihrer hochwertigen Ausstattung. Zum Abschluß der gelungenen Innenrenovation nahm die Kirchengemeinde St. Peter und Paul im Jahr 2006/ 2007 die Vollendung des Gesamterscheinungsbildes durch die Erneuerung der bis dahin provisorischen liturgischen Einrichtung in Angriff.

Die Chorstufenanlage war bereits in den Achzigerjahren umgestaltet worden und sollte in situ belassen bleiben. Die Eingriffe in den Bodenbelag zur Verortung der Prinzipalien im Raum mussten daher möglichst überschaubar sein. Die Gestaltungsaufgabe wurde in einem Künstlerwettbewerb unter Beteilung von drei Künstlern ausgelobt.

Bei der Gestaltung der neuen liturgischen Orte wurde Wert darauf gelegt, daß die neuen Elemente in Material, Form und Farbe in Relation zum Raum deutlich erkennbar sind, ohne jedoch die im frühbarocken Raum vorhandene Balance warmer Rottöne und kühler Blautöne zu stören. Die Einbindung und Aufstellung des vorhandenen Taufsteins war ein wichtiger Teil der Wettbewerbsaufgabe.

Die Preisgerichtsjury wählte einstimmig die Arbeit des Künstlers Herrn Hoppe aus und empfahl diese der Kirchengemeinde zur Realisierung. Der Pfarrgemeinderat schloß sich der Entscheidung des Preisgerichts an und der Entwurf Herrn Hoppes wurde durch das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg zur Ausführung genehmigt.

Herr Hoppe platzierte den Ambo südseitig vor dem Chorbogen, möglichst nahe zum Kirchenbesucher und mittig in der räumlichen Diagonale zwischen Zelebrationsaltar und Kanzel. Den vorhandenen Taufstein rückte er nordseitig in den Bereich zwischen Marienaltar und Anfängerbank, etwa auf Höhe der Kanzel. In der räumlichen Diagonale zwischen Zelebrationsaltar und Taufstein erhielt der Osterleuchter seinen Standort, jedoch als mobiler Kerzenständer mit einem zweiten Standort in der Nähe des Taufsteins, zur Aufstellung während des Taufgeschehens.

Für die Umsetzung wählte der Künstler einen blaugrauen Bardigliomarmor, der durch unterschiedliche Oberflächenbearbeitungen in seiner Tönung variierend, mit der in der Ausstattung vorhandenen Blautonigkeit korrespondiert und den bestehenden Taufstein in den Farbkanon der Gesamtgestaltung integriert. Dennoch besitzt der gewählte Stein genügend Eigenständigkeit um sich im Raum zu behaupten.

Altar und Taufstein wurden über Bodenplatten aus demselben Marmor im Raum fest verortet. Der Ambo ist auf einem eigenen Sockelstein platziert, der die Unverrückbarkeit seines Standorts dokumentiert.

Bei der Gestaltung der liturg. Orte hat Herr Hoppe Form und Proportion der vertikalen Seitenelemente des Hochaltars aufgenommen und sie in stilisierter Form als schmale vertikale Rechteckflächen im Altarstipes, bzw. dem Schaft des Ambos wiederverwendet. Alle liturgischen Gegenstände haben denselben gestalterischen Duktus, jedoch bleibt das Material Stein lediglich Altar, Ambo, Osterleuchter und dem vorh. Taufstein vorbehalten, während Priestersitz, Kredenz und Sedilien aus hellem Escheholz optisch in den Hintergrund treten. Ambo und Osterleuchter stellen durch die Verwendung einer Messinglegierung (Tombak) für Buchablage und Leuchterschaft die Verbindung zur historischen Ausstattung mit ihren zahlreichen Vergoldungen her.

Die Intention des Künstlers war es, durch die Neugestaltung der liturg. Orte in klaren, einheitlichen und reduzierten Formen eine kraftvolle und eigenständige Chorraumlösung zu schaffen.

Trotz der reduzierten Gestaltung der Einzelstücke wird eine differenzierte Ausformung der Prinzipalien erreicht, woraus eine ruhige und würdige Atmosphäre im Chorraum der Pfarrkirche resultiert.

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