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Wald

Pfarrkirche St. Bernhard

Innenrenovation 2007 -2009

Bauherr:

Kath. Kirchengemeinde St. Bernhard, Wald

Planung und Bauleitung: Erzbischöfliches Bauamt Konstanz
Denkmalpflege: Gerhard Brand, Regierungspräsidium Tübingen
Andreas Menrad, Jochen Ansel, Landesamt für Denkmalpflege Esslingen

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Baugeschichte

Die Pfarrkirche St. Bernhard in Wald ist Bestandteil der Klosteranlage Wald, welches als Zisterzienserkloster im Jahre 1200 vom Grafen Burkard Weckenstein gegründet wurde.


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Die heute vorhandenen Gebäude wurden größtenteils im 17. bis 19. Jh. erbaut, einige wenige Reste der romanischen Vorgängerbauten sind noch erhalten. Mit dem Kirchenbau der heutigen Pfarrkirche St. Bernhard wurde 1696 unter der Leitung von Jos Beer, Mitglied der bekannten Vorarlberger Baumeisterfamilie, begonnen. Beendet wurde der Kirchenbau bereits 2 Jahre später im Jahre 1698. Das einschiffige Langhaus und der Chor sind mit Halbkreistonnen überdeckt. Die Wände sind mit Pilastern und Fenstern gegliedert. Die tiefe Empore ruht auf sechs Eichensäulen und wurde als „Bet- und Psallierchor der Nonnen“ genutzt.

Die Kirche erhielt ihre heute noch erhaltene, reichhaltige Ausstattung in den Jahren zwischen 1739 und 1772. Bei der gelungenen Gestaltung des Kircheninnenraumes haben namhafte Künstler zusammengewirkt.

Die Stuckarbeiten wurden zwischen 1751 und 1753 von dem Stuckateur Johann Jakob Schwarzmann ausgeführt. Er teilte den Raum durch einen heute nicht mehr erhaltenen Stuckvorhang über der Brüstung der Nonnenempore in zwei etwa gleichgroße Teile und gestaltete jeden Teil durch die Schaffung eines großen Deckenfeldes in einen zentralen Raum. Schwerpunkt bildet dabei nunmehr der mittlere Raumteil.

1752 wurde der Auftrag zur Ausmalung der Kirche dem Rorschacher Johann Melchior Eggmann übertragen. Dieser beendete seine Arbeit jedoch frühzeitig und die Malereien wurden von dem Sigmaringer Maler Meinrad von Au beendet. Er gehört zu den bedeutendsten Malern des 18. Jh. in Oberschwaben. Weitere Werke seines Schaffens sind in Pfullendorf, Meßkirch, Sigmaringen und Haigerloch zu bewundern.

Im Einklang zur Ausgestaltung der Raumschale zeigen sich auch die vielen weiteren Ausstattungselemente, wie die drei Rokoko-Altäre, das Oratorium der Äbtissinnen und zahlreiche wertvolle Plastiken. Hinzuweisen ist insbesondere auch auf die von dem Orgelbauer Johann Georg Aichgasser stammende Orgel. Die Orgel in Wald ist die einzig vollständig erhaltene Orgel dieses Orgelbauers. Auch ist die Plastik der thronenden Muttergottes auf der Mondsichel, aus der Werkstatt Hans Multschers, erwähnenswert.

Zusammenfassend kann wohl gesagt werden, dass die Pfarrkirche St. Bernhard aufgrund ihrer reichen Ausstattung in hoher künstlerischer Qualität und aufgrund des erhaltenen, ursprünglichen Zustands der Originalsubstanz mit zu den wertvollsten Kunstdenkmälern Hohenzollerns gehört.

Maßnahmenbeschreibung

Nachdem im Jahre 1963 die Pfarrkirche letztmalig einer Innenrenovation unterzogen wurde,  zeigte die Raumschale starke Verschmutzungen und ließ den so prachtvoll ausgestatteten Raum dunkel erscheinen. Große Probleme bereitete der starke Anobienbefall der Ausstattung mit bereits einhergehendem Substanzverlust. Die Notwendigkeit einer Innenrenovation war gegeben.
 
Als erster Schritt wurde die gesamte Kirche im Sommer 2007 begast, um den zerstörerischen Anobienbefall nachhaltig zu stoppen. In den Jahren 2008 / 2009 wurden dann die weiteren konservatorischen und restauratorischen Maßnahmen durchgeführt.

Die beeindruckenden Deckenfresken waren zwar in einem relativ guten Zustand, wiesen aber erhebliche Verschmutzungen auf, die eine entsprechende Reinigung und Sicherung nach sich zogen. Der beträchtliche Anteil an Zierstuck und die monochromen Wandflächen wurde ebenfalls gereinigt, gesichert und farblich neu gefasst. Die Farbgebung der Neufassung wurde in Anlehnung an den Bestand ausgeführt.

Der Ausstattungsbestand wie Altäre, Kanzel, Oratorium der Äbtissinnen usw. wurden von Staubablagerungen und Rußschwärzungen befreit, gefestigt, retuschiert und mit neuem Dammarfirnis überzogen. Der bauzeitliche Bodenbelag aus Sandsteinplatten wurde weitestgehend belassen und in situ behutsam restauriert.

Die historischen Holzeinbauten wie Gestühl, Beichtstühle, Treppen und Türen erfuhren eine grundlegende holztechnische Überarbeitung. Nur der neuzeitliche, nördliche Gestühlsboden musste breiten Altdielen weichen.

Die komplette Technische Ausstattung wie Elektroverteilung und Heizung wurde erneuert und dem heutigen Standard angepasst.

Die neuen Einbauten wie Windfang und Trennwände zur Beichtkammer und dem hinteren Eingangsbereich wurden bewusst neuzeitlich gestaltet, fügen sich aber durch ihre reduzierte Formensprache und Farbgebung in den historischen Kontext zurückhaltend ein.

Ein deutlicher zeitgenössischer Glanzpunkt im Kirchenraum bildet die neue liturgische Ausstattung. Der aus einem Künstlerwettbewerb hervorgegangene Merdinger Bildhauer Alois Landmann hat einen Altar und Ambo aus Bardiglio - Marmor geschaffen, die in ihrer monolithischen Form dem verspielten und bewegten Rokokoraum einen kräftigen Ruhepol entgegensetzen. Die anfänglich teils umstrittene Arbeit des Künstlers besticht den Be-trachter zuerst durch ihre scheinbare Einfachheit. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich in Referenz an die Umgebung die sublime Form der Bewegung durch gekonnt eingesetztes Kippen und Schrägstellen von Flächen und Kanten. Die Kraft der Elemente, auch in der gewählten Positionierung, lässt unumstritten eine neue liturgische Mitte entstehen.

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