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Mühlingen

Pfarrkirche
St. Martin

Neue liturgische Einrichtung
2008 

Bauherr:

Kath. Pfarrgemeinde St. Martin Mühlingen

Projektsteuerung: Erzbischöfliches Bauamt Konstanz
Liturgische Einrichtung:

Joachim Maria Hoppe,
Freischaffender Künstler, Thaining

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Baugeschichte

Die heutige, dem Heiligen Martin geweihte Pfarrkirche in Mühlingen wurde Mitte des 18. Jahrhunderts an Stelle eines baufälligen Kirchleins aus dem 13. Jahrhundert errichtet, dessen Turm in den Neubau integriert wurde. Wahrscheinlich jedoch hatte schon im 8. oder 9. Jahrhundert hier eine Kirche bestanden. Das wenige Überlieferte lässt auf eine kleine ärmliche Pfarrgemeinde schließen. Die erstmalige urkundliche Erwähnung einer Kirche in Mühlingen findet sich 1275 im Zehntbuch des Bischofs von Konstanz. Auch der Ort selbst wird 1275 erstmals urkundlich erwähnt.

Der Bau der Kirche, wie wir sie heute kennen, geht auf die Initiative der damaligen Ortsherrschaft Baron Joseph Andreas von Buol zurück, dem späteren Bauherrn der Kirche. Ihn verband eine starke Freundschaft mit Johann Anton Feuchtmayer und seiner Kunst. Feuchtmayer selbst bezeichnete von Buol einmal als seinen größten Gönner. Es entstand eine spätbarocke, flach gedeckte Saalkirche mit eingezogenem, rechteckigem Chor und seitlichen Oratorien, dem ein Chorbogen fehlt. Die Asymmetrie der auf den Hochaltar bezogenen, schräg zur Mittelachse stehenden Seitenaltäre ist für Johann Anton Feuchtmayer charakteristisch. Die Weihe der neu erbauten Kirche erfolgte im Jahre 1747 durch den Konstanzer Bischof Fugger.
Zur Bauzeit, also zur Mitte des 18. Jahrhunderts, entstanden auch die beiden Seitenaltäre aus Stuckmarmor und ihr Figurenschmuck. Sie stellen wohl die wichtigsten Repräsentanten der kunstgeschichtlich bemerkenswerten Ausstattung der Pfarrkirche St. Martin in Mühlingen dar. Beide besitzen jeweils nur eine einzige, dem Chor zugewandte Säule und daneben eine stehende Heiligenfigur, sowie zur Wand hin eine Heiligenbüste und über dieser eine Rokoko-Rocaille mit einem Blatt. Leider ging der passende monumentale Hochaltar, auf den die Seitenaltäre sich beziehen, im Laufe der Zeit verloren. Von ihm sind allein der Tabernakelaufbau und zwei geschnitzte Leuchtengel erhalten.

Baumaßnahmen

Am Gebäude selbst zeigten sich zunehmend starke Rissbildungen an Decke und Wänden die man auf eine zu schwache Deckenkonstruktion zurückführte. Eine in den 1980er Jahren in Angriff genommene Außen- und Innenrenovation der Pfarrkirche musste aus Kostengründen in mehrere Bauabschnitte unterteilt werden und endete dennoch vorzeitig wegen mangelnder Finanzierbarkeit. Im Jahr 1994 schließlich war ein Aufschub der dringend anstehenden Sanierungen nicht mehr zu vertreten, denn die Kirche St. Martin war nun in ihrer Grundsubstanz derart bedroht, dass sie sogar wegen Einsturzgefahr geschlossen werden musste.
Im Rahmen eines Vorprojekts wurden 1995 Schadensursache sowie –umfang ermittelt und die Kosten der zur Behebung erforderlichen Arbeiten berechnet. Die vorgesehenen Baumaßnahmen umfassten insbesondere statische Siche-
rungsmaßnahmen, die Dachstuhlsanierung, die Sanierung des Putzes sowie auch die Restaurierung der Raumschale und der Seitenaltäre. Auf dieser Grundlage sagten neben dem Erzbischöflichen Ordinariat auch das Landesdenkmalamt und die Denkmalstiftung ihre finanzielle Unterstützung zu. Ab August 1997 erfolgten die Sanierungsarbeiten am Äußeren und im Inneren der Pfarrkirche. In diesem Zuge wurde der fehlende Hochaltar durch eine Wandmalerei in Aquarelltechnik angedeutet, um einen Bezugspunkt für die Seitenaltäre zu schaffen Noch 1999 konnte der erste Gottesdienst in der renovierten Kirche St. Martin stattfinden, im Jahr 2003 konnte eine gebrauchte Orgel angeschafft und restauriert werden.

Neue Liturgische Einrichtung

2006 beabsichtigte die Kirchengemeinde, mit einer neuen liturgischen Einrichtung den Chorraum neu zu gestalten und damit den großen Renovationen einen krönenden Abschluss zu setzen. Die Vorstellungen der Bauherrschaft zur Gestaltung von Altar, Ambo, Osterleuchter und Sedilien betrafen nicht nur deren Erneuerung sondern auch eine Neupositionierung. Es sollte ein gestalterisches Gesamtkonzept erarbeitet werden, das sich harmonisch in den barocken Kirchenraum einfügt, dennoch aber eine eindeutige formale Aussage unserer Zeit darstellt.

Der Bildhauer Joachim Maria Hoppe erarbeitete mit der Kirchengemeinde und Vertretern des Erzbischöflichen Bauamtes Konstanz den Entwurf, der schließlich zur Ausführung gelangte. Anfang Mai 2008 wurde der Altar von Herrn Weihbischof Wehrle geweiht und die neue liturgische Ausstattung in Gebrauch genommen.

Joachim Maria Hoppe griff mit dem Rundbogen ein im barocken Innenraum in vielerlei Varianten vorhandenes Gestaltungselement auf und wandte es, wiederum in neuen Variationen, als Grundform für den Altar, wie aber auch alle anderen liturgischen Orte an. Als Material für die Prinzipalien wählte Hoppe hellen griechischen Volakas-Marmor, dessen Struktur die Tönung der vorhandenen Bodenplatten wiederholt. Die Sedilien fertigte er aus hellem Ahornholz und beizte die Oberflächen mit einer leicht weißen Lasur.

Bei aller formalen Verbundenheit des Altars als dem Tisch des Males mit dem Ambo als Tisch des Wortes schuf der Künstler Hoppe jeweils eigenständige Orte. Während der Altar mit seinem mächtigen, rauen rundgewölbten Stipes die Erdverbundenheit betont reckt sich der Ambo säulenartig glatt und schlank in die Höhe. Seine aufliegende runde Buchablage korrespondiert mit der einladend runden Mensa des Altars, die ihrerseits Bezug zum bekrönenden Deckengemälde über ihr aufnimmt. Trotz der notwendigen Stärke der Tischplatte wirkt sie fast schwebend und nimmt die Leichtigkeit des barocken Raumes auf. Auf der linken Seite des Altars aufgestellt bildet der Osterleuchter das Gegenüber zum Ambo, den er mit seiner Rundform nicht nur wiederholt sondern ergänzt.

Durch die sensible Wahl von Form, Material und Ort gelang Hoppe, zumal im Zusammenspiel mit dem Licht und im liturgischen Gebrauch, sowohl eine Eigenständigkeit der einzelnen liturgischen Orte sowie ein ausgewogenes Gewichtsverhältnis des Ensembles in sich, wie auch mit dem barocken Raum.

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