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Konstanz

Pfarrkirche
Heilige Dreifaltigkeit

Renovation und Umgestaltung
1999 - 2006 

Bauherr:

Kath. Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Konstanz

Planung und Bauleitung: Eugen Schneble, Freier Architekt, Hilzingen-Duchtlingen
Projektsteuerung: Erzbischöfliches Bauamt Konstanz
Liturgische Einrichtung: Prof. Franz Gutmann, Bildhauer, Münstertal

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Baugeschichte

Die Dreifaltigkeitskirche, die man heute als Solitär zwischen Straßen und Gassen in einem Wohn- und Geschäftsviertel wahrnimmt, ist eine der drei großen Kirchen der Konstanzer Altstadt. Sie wurde als Teil einer Klosteranlage der Augustinereremiten auf einem Grundstück erbaut, das sie bei ihrer Ankunft in Konstanz im Jahre 1268 erhielten. Aufgrund seiner Lage am damaligen Ufer des Bodensees, einem aufgeschütteten Gelände in der früheren Flachwasserzone, war dies eine der ärmeren Gegenden. Auch lagen hier die geruchsintensiven Arbeitsstätten der Gerber, wie archäologische Grabungen anlässlich der jüngsten Baumaßnahme in und an der Kirche ergaben. Von diesem Ort aus engagierten sich die Bettelmönche in der Seelsorge und insbesondere im Dienst an den Kranken. Und sie begannen noch 1268 mit dem Bau ihres Klosters.

Bis Anfang des 14. Jahrhunderts entstand in mehreren Bauphasen eine, an das Kloster angebaute dreischiffige gotische Klosterkirche mit flacher Holzdecke. Nach weitgehender Zerstörung durch einen Stadtbrand im Januar 1398 wurden Kloster und Kirche zügig wieder aufgebaut. Bereits im Folgejahr wurde der noch heute vorhandene Dachstuhl der nun als Basilika mit überhöhtem Mittelschiff ausgeführten Kirche errichtet. Im Jahre 1740 erhielten das Mittelschiff ein Spiegelgewölbe mit Stuckverzierungen und der gesamte Innenraum die im Wesentlichen bis heute erhaltene barocke Fassung.

Im Laufe der unterschiedlichen Bauphasen war das Fußbodenniveau mehrfach durch Aufschüttung um insgesamt ca. 134 cm angehoben worden. Dadurch verschwanden die profilierten Basen der Pfeiler im Untergrund und die Proportionen des Raumes wurden nachhaltig verändert. Heute ist im Eingangsbereich der Kirche mittels einer gesicherten und beleuchteten Öffnung im Boden ein Blick in die Vergangenheit möglich, der die Basis eines Wandpfeilers erkennen und die alten Raumproportionen erahnen lässt.

Ihre kultur- und kunsthistorische Bedeutung erhielt die Dreifaltigkeitskirche durch ein kirchenpolitisches Großereignis des Mittelalters, das Konstanzer Konzil von 1414 bis 1418. König Sigismund weilte neben anderen Würdenträgern eine Zeitlang im Kloster und dankte für die Gastfreundschaft, indem er auf seine Kosten die Wände des Mittelschiffes ausmalen ließ. Das Ergebnis sind die um 1417 entstandenen so genannten Konzilsfresken. Sie waren im Zuge der Barockisierung übertüncht und erst bei der Renovierung in den Jahren 1906 bis 1907 wieder entdeckt und freigelegt worden.

Im Jahre 1792 übernahm die städtische Spitalstiftung die Verwaltung des Klostervermögens und schloss 1802, somit kurz vor der Säkularisation, mit den letzten vier Ordenspriestern einen Vertrag. Danach zog das städtische Spital in die Gebäude. Als Gegenleistung übernahm die Stiftung die Baupflicht für Kloster und Kirche. Gleichwohl wurden die Klostergebäude 1874 bis 1877 abgebrochen, wodurch die bis dahin in den Baukomplex eingebundene Kirche freigestellt wurde. Dabei wurde für den Straßenbau der östliche Chorabschluss gekürzt und beiderseits des Chores wurden Treppentürme zur Erschließung des Dachstuhls angebaut. Seit 1802 war die Kirche wieder Pfarrkirche. Nach vorübergehender Nutzung durch die altkatholische Kirche zwischen 1874 und 1904 wurde sie wieder katholisch. Im Jahr 1908 erhielt sie den Namen „Dreifaltigkeitskirche“.

Die umfangreichen Abbruch- und Umbaumaßnahmen an der Kirche hatten, insbesondere in Verbindung mit dem wenig tragfähigen, aufgefüllten Untergrund, schwerwiegende Folgen. Während sich die neuen massiven Treppentürme stärker als die übrigen Gebäudeteile setzten neigte sich das Gebäude nach Norden. Messtechnische Untersuchungen und Planungen zur Sicherung des Gebäudes liefen bereits seit etwa 1987. Als festgestellt wurde, dass die Standsicherheit gefährdet war, wurde die Dreifaltigkeitskirche im Jahre 1999 geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Lotabweichung der Nordmauer bis zu 56 cm.

Planung

Nachdem 1997 zwischen der Kirchengemeinde Heilige Dreifaltigkeit und der Spitalstiftung ein Vertrag zur Ablösung der bestehenden Baupflicht geschlossen worden war begann Ostern 1999 eine der aufwendigsten Baumaßnahmen in der Erzdiözese Freiburg, die im Herbst 2006 erfolgreich abgeschlossen wurde.

In einem ersten Schritt musste die Bausubstanz mit statischen und konstruktiven Maßnahmen gesichert werden. In einem zweiten Schritt wurden alle schadhaften Bau- und Ausstattungsteile außen und innen restauriert und instand gesetzt. Darüber hinaus erfolgte eine liturgische Neuordnung des Kirchenraums. Nicht zuletzt die Vielfalt der Aufgaben machte eine Unterteilung der Gesamtmaßnahme in insgesamt 8 Bauabschnitte erforderlich.

Da im Zuge der statischen Sicherungsmaßnahmen die Fundamente des Gebäudes ertüchtigt werden mussten, gingen den jeweiligen Bauabschnitten stets archäologische Grabungen mit Untersuchungen und Dokumentationen voraus. Auch an der Raumschale wie der Ausstattung setzte sich eine intensive Begleitung durch die Denkmalpflege fort.

Statische Sicherung

Zur Ableitung der Kräfte in den sonst nicht ausreichend tragfähigen Boden wurden die Fundamente der Giebelwände und der Nordwand verbreitert. Über die Decken der Seitenschiffe wurden liegende Fachwerkträger aus Stahl eingebaut, welche die Last der Schiefstellung der Längswände auf die stabilen Giebelwände übertragen.

Restaurierung

Bau und Ausstattung wurden umfassend instandgesetzt. Außen geschah dies durch Erneuerung der Dachdeckung und des Außenputzes, Reparatur der Gesimsbereiche und der Fenstergewände, Aufbringen einer Schutzverglasung an allen Fenstern und Bau eines Eingangspodestes mit Stufen und Rampe. Die Balkenauflager und Dachtragwerke wurden saniert, die Bodendielung erneuert.

Im Inneren wurde nach dem Ausbau von Gestühl und Gestühlsboden der schadhafte Steinboden entfernt. Es folgte die Erneuerung der Heizung mit Wärmestationen und der gesamten Elektroinstallation. Nebenräume wurden renoviert und die Treppen der Seiteneingänge neu gestaltet.

Die Raumschale mit ihren Wand- und Deckenbildern und dem reichhaltigem Stuck wurde gesichert, gereinigt und restauriert, sogar in den Bereichen der Gewölbezwickel, die nur vom Dachboden aus zugänglich sind. Denn hier befinden sich Teile der Konzilsfresken, die nach dem Einbau des barocken Spiegelgewölbes im Kirchenraum nicht mehr sichtbar und in der Folgezeit weder übertüncht, noch restauriert worden waren. Insofern sind diese Malereien die authentischsten Zeugnisse aus der Konstanzer Konzilszeit.

Umgestaltung

Die Dreifaltigkeitskirche sollte als Pfarrkirche mit dem zusätzlichen Angebot einer City-Pastoral sowie für kirchenmusikalische Veranstaltungen nutzbar sein. Daher wurde anstatt der Bänke nun loses Gestühl eingestellt. Der Fußboden wurde aus Sandstein neu gestaltet, im Langhaus bildet jetzt die neue Altarinsel den Mittelpunkt.

Der Eingangsbereich wurde mit einem transparenten Kubus aus Stahl und Glas unter der Empore und einem geschlossenen Gesprächsraum im nördlichen Seitenschiff neu gestaltet. Beide Räume bieten Möglichkeiten für persönliche Begegnungen und Gespräche im Rahmen der City-Pastoral.

Leuchten und Lautsprecher wurden in eigens entwickelten Elementen in die Arkadenbögen zwischen Mittel- und Seitenschiffe gehängt, um die Raumdurchsicht nicht zu behindern und den vielfältigen technischen Erfordernissen zu genügen.

Für die Gestaltung der liturgischen Einrichtung wurde ein beschränkter Künstlerwettbewerb ausgeschrieben. Altar, Ambo und Sedilienbank aus Messing schuf Franz Gutmann.

In einer Zeit, in der andernorts Kirchen geschlossen und veräußert werden, konnte mit dieser Baumaßnahme nicht nur das letzte Zeugnis der Bettelordenstradition in der Konstanzer Innenstadt erhalten und als katholische Pfarrkirche wieder hergestellt, sondern an zentraler Stelle ein besonderer Ort für die ökumenische City-Pastoral und anspruchsvolle Kirchenmusik geschaffen werden.

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